Ayurveda: Mythen & Fakten

Mythos 1: Ayurveda ist ein Wellness- / Massagesystem zur Entspannung

 

Tatsache: Dies ist wahrscheinlich das größte Missverständnis über Ayurveda im Westen. Ayurveda ist kein Massagesystem. Es ist keine Spa-Anwendung.

Ayurveda ist ein vollwertiges medizinisches System mit eigener theoretischer Basis, Pharmakologie und klinischer Praxis. Ayurveda verwendet zur Behandlung von gesundheitlichen Problemen hauptsächlich Produkte pflanzlichen Ursprungs. Wirkstoffe in diesen pflanzlichen Produkten haben heilende Wirkung. Dieser Prozess basiert zu 100% auf Logik.

 

Ölanwendungen in Ayurveda sind für bestimmte Zwecke vorgesehen und werden in bestimmten Phasen des Behandlungsplans durchgeführt. Die gewählte Ölsorte basiert auf dem zugrunde liegenden Gesundheitsproblem. Es gibt sogar einige gesundheitliche Zustände, in denen die Anwendung von Öl / Massage sogar kontraproduktiv sein kann.

 

Ayurveda ist nicht etwas, was man während einiger Wochenendkurse lernen kann. Das Bachelorstudium in Ayurveda dauert in Indien mindestens fünfeinhalb Jahre, inklusive ein Jahr Arzt im Praktikum. Der Abschluss ist der Bachelor of Ayurvedic Medicine and Surgery.

 

Mythos 2: Ayurveda funktioniert nur in Indien

 

Tatsache: Die Prinzipien von Ayurveda sind universell. Man könnte sogar behaupten, dass Ayurveda in Europa besser funktioniert, weil die vier Jahreszeiten klar unterschieden werden, anders als in tropischen Regionen, wo Temperaturunterschiede und Sonnenschein während des ganzen Jahres begrenzt sind. Diese Temperatur- und Jahreszeitunterschiede beeinflussen das Gleichgewicht der Doshas (konstitutionelle Elemente) und können Gesundheitsprobleme verursachen. Vorbeugende und therapeutische Aspekte des Ayurveda könnten zur Wiederherstellung dieses Gleichgewichts eingesetzt werden.

 

Die Unterschiede zwischen den Menschen in Indien und im Westen sind nicht so groß. Arzneimittel der Schulmedizin wirken in der Regel im Osten und Westen mehr oder weniger ähnlich. Allerdings kann auch ein bestimmtes Medikament bei zwei Menschen, die im gleichen Land leben etwas anders wirken. Bei den Ayurveda Präparaten ist es dasselbe.

 

Mythos 3: Ayurveda ist ein religiöses oder spirituelles Glaubenssystem

 

Tatsache: Ayurveda ist eine Wissenschaft, die einfach der Logik folgt. Es ist ein medizinisches System, das seit über 3000 Jahren in Indien praktiziert wird. Über Jahrhunderte schleichen sich allmählich soziale oder kulturelle Praktiken in die Medizin ein und umgekehrt. Dies ist Teil des Evolutionsprozesses. Wir sollten nur die Spreu vom Weizen trennen.

 

Medikamente wirken bei Patienten aller Glaubensrichtungen und auch bei Atheisten. Es ist genau das gleiche im Ayurveda.

 

Die Schulmedizin akzeptiert auch, dass der Verstand eine große Rolle im Heilungsprozess spielt. In vielen medizinischen Einrichtungen im Westen gibt es spezielle Bereiche für Gebet oder stille Besinnung. Es macht die westliche Medizin nicht unwissenschaftlicher. Mit Ayurveda ist es dasselbe.

 

Wenn der religiöse Glaube oder die Spiritualität eines Patienten einer Person Kraft gibt und sie positiv stimmt, dann ist das gut so. Man sollte nur eine klare Grenze ziehen und sicherstellen, dass blinde Überzeugungen evidenzbasierte klinische Praktiken und Logik nicht außer Kraft setzen.

 

Mythos 4: Ayurveda ist nur für Vegetarier

 

Tatsache: Es ist ein Missverständnis, das im Westen so weit verbreitet ist, dass Ayurveda auf vegetarischer Ernährung basiert. Die Ernährung im Ayurveda wird auf Grundlage der Konstitution, der aktuellen Dosha-Balance, der Verdauungskraft (Agni), des Alters, der Stärke, der körperlichen Aktivität und der Jahreszeiten bestimmt.

 

Ayurveda-Lehrbücher beschreiben sogar die Qualitäten verschiedener Fleisch- und Fischsorten und schlagen Methoden vor, sie zu kochen. Es gibt auch therapeutische Präparate, bei denen Fleisch oder tierische Produkte Zutat sind. Man kann also sicher davon ausgehen, dass es für gesunde Personen kein generelles Verbot für nicht-vegetarische Lebensmittel bei Ayurveda gibt. Der Ernährungsbedarf und die Stoffwechselfähigkeit eines Menschen sollten jedoch berücksichtigt werden, wenn Sie sich für nicht-vegetarisches Essen entscheiden.

 

Wenn jemand krank ist, versucht der Körper seine Energie auf den Heilungsprozess zu konzentrieren, und oft fehlt der Appetit. Dies erklärt die Empfehlung einer überwiegend leichten, leicht verdaulichen vegetarischen Ernährung während längerer Ayurveda-Behandlungen. Bei einigen Krankheiten und bei Menschen mit einer relativ schwachen Verdauung ist es auch besser, Fleisch oder schwer verdauliche Lebensmittel (zumindest zeitweise) zu vermeiden.

 

Mythos 5: Kaffee und Alkohol sind bei Ayurveda verboten

 

Tatsache: Ayurveda verbietet nichts vollständig oder befürwortet alles ohne Grenzen. In klassischen Ayurveda-Texten gibt es Beschreibungen zu verschiedenen Alkoholarten und Konsum, je nach Jahreszeit und Dosha-Status. Es gibt auch weit verbreitete ayurvedische Präparate, die Alkohol enthalten.

 

Kaffee oder ähnliche Getränke können auch ihren Nutzen haben. Die zu berücksichtigenden Faktoren sind Menge, Tageszeit oder Jahreszeit sowie der Gesundheitszustand der betroffenen Person. Übermäßiger Gebrauch sollte natürlich verhindert werden. Ayurvedische Lebensweise bedeutet nicht, auf die kleinen Freuden des Lebens zu verzichten. Spielregeln sind im Ayurveda einfach.

 

Es gibt kein universelles „Ja“. Kein universelles "Nein". Alles hängt von den Umständen ab, wie es im Leben immer der Fall ist. Das Ziel ist es, dem „mittleren Weg“ zu folgen, das körperliche und geistige Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und ein langes fruchtbares Leben zu führen.

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